60km TrailScout 16.05.2020

Ich beginne meinen Bericht zum TrailScout im Sauerland mit meinem Fazit:

  1. Das Warten hat sich definitiv gelohnt.
  2. Eine Vorbereitung auf den TrailScout (2-3 Ruhetage vorher) wären zielführend gewesen…
  3. Der Wahlspruch „Natur erleben – neue Wege wagen!“ wurde zu 100% erfüllt und alle Erwartungen weit übertroffen.

Aber der Reihe nach. Ich wollte meinen TrailScout im Rahmen der Ultimate Challenge 2020 absolvieren und musste, auch aufgrund der Corona-Entwicklung, einige Tage auf die Zusendung der Route warten. Nachdem ich die Route am Montag, den 11.05.2020 per E-Mail erhalten habe, ging es am Samstag, den 16.05.2020 an den eine Stunde entfernten Möhnesee. Die Tour war 60 km lang, da ich schonmal am Möhnesee wandern war, rechnete ich mit dem ein oder anderen Anstieg. Nachdem die Ausrüstung am Vorabend gepackt und vorbereitet wurde, klingelte der Wecker um 05:15 Uhr, es folgte meine 30-minütige „Morgenroutine“ mit Übungen zur Erwärmung und Beweglichkeit. Nach einem Porridge-Frühstück mit Beeren und 2 Tassen Kaffee ging es an den Möhnesee, zum Startort nach Günne. Dort begann ich mein Laufabenteuer um etwa 08:15 Uhr. Der Weg führte über die Möhnetalsperre und ich war froh, dass ich mich die ersten 5 km entspannt und im Flachen einlaufen konnte, bevor es in den Naturpark Arnsberger Wald ging.

Bis KM 15 ging es dann über Waldwege, verschlungene Trails oder auch mal abenteuerliche Waldschneisen durch den Wald bis an die Ortschaft Rusch. Hier wäre die erste Möglichkeit gegeben, Getränke oder Essen aufzufüllen, da der nächste Ort mit Versorgungsmöglichkeiten Körbecke am Möhnesee bei KM 44 war.
Da ich genügend Vorräte dabeihatte, lies ich den Ort links liegen und folgte dem Track auf dem GPS-Gerät weiter. Die Tour führte weiter auf bemerkenswert abwechslungsreichen Strecken und Untergründen durch den Naturpark, auf den Wegen gab es nette Zwischenbegegnungen mit Rehen und einer Blindschleiche sowie mehrere nette Rastmöglichkeiten.

Schließlich kam ich zur Autobahn 46, die ich bei Bruchhausen zwei Mal unterquerte. Hier gab es das erste Mal eine weitere Aussicht auf das umliegende Sauerland sowie den ersten „Balanceakt“. Außerdem war die Halbmarathonmarke erreicht.
Es ging nun deutlich „welliger“ weiter und auch die Temperaturen stiegen an. Ich nahm mir vor, meine erste Pause (mit Hinsetzen und Rucksack ablegen) in Breitenbruch bei knapp KM 28 einzulegen und hoffte auf einen Bäcker, ein koffeinhaltiges Kaltgetränk oder ähnliches. Leider war gab es hier nix zu kaufen, so dass ich mich mit nicht mehr ganz so kaltem Iso-Getränk und einem Riegel begnügte.
Der Weg war weiterhin abwechslungsreich, ich traf den ersten anderen Läufer sowie den ein oder anderen Wanderer. Ein immer wiederkehrendes Motiv waren viele kahle Stellen und Waldschäden, die noch auf den Orkan Kyrill aus dem Jahr 2007 schlossen und mit zahlreichen Infotafeln auch entsprechend zugeordnet und erläutert wurden.

Die Strecke führte weiter Richtung Neuhaus, bei KM 35,5 war mein mentaler Wendepunkt, weil es hier nach zwei „Spitzkehren“ auf der Karte endlich wieder in Richtung Möhnesee ging und ich mir bereits Möhnesee Körbecke als Einkehrpunkt vorgenommen hatte.
Diese „Spitzkehren“ hatten es jedoch in sich, die Pfade waren teilweise zugewachsen und zwischenzeitlich hatte ich den Eindruck, dass ich der erste Mensch auf dem ein oder anderen Abschnitt war. Aufgrund der zunehmenden Ermüdung belegte ich den Tourenersteller mehrfach mit Schimpfwörtern und schüttelte wiederholt ungläubig den Kopf. Michael, an dieser Stelle nochmal Entschuldigung. War alles nicht so gemeint, der Ärger ist auch während der Strecke wieder verschwunden 😉

Zur Überraschung folgten dann ein „Gewässerabschnitt“, zum Glück funktionierte der Standweitsprung ganz gut, so dass ich keine Gewässer durchschreiten musste.
Außerdem fand ich ein verlassenes Hexenhaus und hinterfragte kurz meine mentale Stabilität. Es folgte ein kurzer Abschnitt auf einer asphaltierten Straße und ich hatte nach der „Kraxelei“ das erste Mal wieder das Gefühl, ich würde laufen und auch vorankommen. So näherte ich mich der 40er KM-Marke und konnte auch den Möhnesee bald wieder erblicken. Meine Gedanken drehten sich in diesem Abschnitt weitestgehend um die Nahrungsaufnahme und diverse „Fressphantasien“.

Auf der Fußgängerbrücke ging es dann bei KM 43 über den Möhnesee und ich war froh, dass es dann beim Verpflegungspunkt in Körbecke „nur“ noch 16 km waren. Abkürzen war für mich (eine Verletzung ausgeschlossen) keine Option, da ich unbedingt einen mentalen und physischen Trainingsreiz setzen wollte bevor ich mich Ende Mai an mein Jahresziel, einen 100km Lauf, wage.
Am Verpflegungspunkt gab es auf dem Marktplatz dann eine kalte Cola sowie drei Kugeln Eis und einen halben Riegel. Hier machte ich etwa 20 min Pause, bevor es auf den letzten, landschaftlich ganz anderen, Abschnitt ging.

So ging es dann über weitläufige, überwiegend asphaltierte Strecken Richtung letztem, mentalen Wendepunkt beim KM 51 in Richtung Soest. Obwohl das Tempo aufgrund des Untergrundes für mich okay war (ca. 6:15 er Schnitt), war dieser Abschnitt mental der härteste. Nach dem Wendepunkt bei KM 51 ging es dann zunehmend leichter, die verbleibende Distanz war einstellig und ich war zuversichtlich, ohne weitere Pause das anvisierte Zeitlimit von 8:00 Stunden halten zu können.
Ein Höhepunkt auf dem Abschnitt war dann noch die Weidlandschaft Kleiberg bei KM 53. Hier sind auf einem ehemaligen Übungsplatz der Bundeswehr Erlebnisrouten in einem Naturschutzgebiet angelegt, zu dem werden ganzjährig halbwilde Pferde und Rinder gehalten. Für Fotoaufnahmen war ich hier zu müde, zudem wollte ich „kurz vorm“ Ziel mein Laufrhythmus möglichst nicht mehr unterbrechen.
Motiviert lief ich die letzten 3 km noch in einem 6:00er Schnitt und war heilfroh, als ich am Ausgangspunkt in Günne angekommen und mein erstes TrailScout Abenteuer geschafft hatte. Gleichzeit war der TrailScout zu dem Zeitpunkt mein längster Lauf in 2020!
Vielen Dank lieber Michael für dieses Abenteuer, mein Fazit ist bereits getroffen. Absolut empfehlenswert und wiederholbar um neue Abenteuer zu wagen.
Ich bin mit der Verpflegung an dem Tag bei der Witterung hingekommen und hatte am Ende noch Essen übrig. Ich hatte den 12 Liter Adv Skin 3 von Salomon dabei:

Packliste

  • 400ml Iso
  • 600ml Wasser
  • 2 Riegel
  • 2 Bananen
  • Salztablette
  • GPS-Gerät Garmin + 2x Ersatz Akkus
  • Smartphone & Powerbank im Zipper Beutel
  • Bufftuch, Wechselshirt und leichte Windjacke
  • Tempos
  • 10,00 € Bargeld
  • Mund-Nasen-Schutz

Zahlen und Daten:

  • Distanz: 60,05 km
  • Zeit: 7:46:40 Std
  • Energieverbrauch: 6355 kcal
  • Aufstieg: 1195 hm
  • Herzfrequenz (Durchschnitt): 124 S/min (GA1 😉 )
  • “Tempo”: 7:46 min/1000m halten.